Otto Stöckl Elektroinstallationen GmbH in Kooperation mit Obdach Wien

© Otto Stöckl Elektroinstallationen GmbH

„Wenn der Funke überspringt": Elektro-Lehrlinge kochen für Wohnungs- und Obdachlose

Otto Stöckl wollte seinen Lehrlingen etwas mitgeben, was in ihrer Ausbildung nicht enthalten ist: Zeit mit Menschen zu verbringen, von denen sich der Blick normalerweise abwendet, etwas ohne Gegenleistung zu tun, ein Lächeln auf Gesichter zu zaubern und sich dabei gut zu fühlen. So wurde die Idee geboren, gemeinsam mit der Organisation Obdach Wien ein Lehrlingsprojekt durchzuführen.

 

Der Plan: An drei Aktionstagen kochen die Lehrlinge im Team für obdachlose Menschen. Zur Vorbereitung und mentalen Einstimmung fand ein Workshop zum Thema „Obdachlosigkeit“ statt. Danach planten die Lehrlinge in Gruppen selbstständig den Ablauf der Aktionstage in drei verschiedenen Einrichtungen von Obdach Wien: dem Tageszentrum Obdach Josi, der Wärmestube Apollogasse und dem Übergangswohnhaus Obdach Gänsbachergasse. Die jungen Erwachsenen bezogen die jeweils unterschiedlichen Bedürfnisse und Gegebenheiten der Bewohner und Einrichtungen in ihre Planung ein und erlernten somit auch Projektmanagementfähigkeiten.

 

Drei Aktionstage – ein Erfolg auf allen Ebenen

An jedem der drei Aktionstage wurde zuerst eingekauft und anschließend gemeinsam gekocht. Die herausfordernde Aufgabe, ein 3-gängiges Menü für mehr als 100 Personen auszugeben, haben die Lehrlinge hervorragend gemeistert. Der dritte Aktionstag stellte die Lehrlinge vor eine knifflige Aufgabe: In der Küche gab es nur eine kleine Herdplatte, so musste der Menüplan kurzfristig angepasst und alles ein wenig neu organisiert werden.

 

Auch der Spaß kam keineswegs zu kurz. Die Jugendlichen organisierten Tischtennis-, Tischfußballturniere und Schachpartien, somit fand auf spielerischem Weg eine direkte Begegnung auf Augenhöhe statt. An den Aktionstagen tauchten die Jugendlichen in die Lebenswelt der Obdachlosen ein, hinterfragten Stereotype und bauten Berührungsängste ab. Alle drei Tage sind sowohl den Lehrlingen als auch den obdachlosen Menschen in Erinnerung geblieben.

 

Das Projekt wurde vom Fundraising-Verband Austria mit dem „Wirtschaft hilft!“-Award 2018 ausgezeichnet und erzielte beim Staatspreis „Beste Lehrbetriebe – Fit for Future 2019“ die Top-4-Platzierung beim Sonderpreis „Good Practice 2019“.

„Die Lehrlinge haben sich während des Projekts soziale Kompetenzen, die über ihre fachliche Ausbildung hinausgehen, angeeignet. Sie hinterfragten Stereotypen, bauten Berührungsängste ab und erweiterten ihren Horizont. Dieses Projekt war nicht nur nachhaltig, sondern hatte auch einen starken Social Impact.“
Claudia Staller, Leitung Lehrlingsausbildung

Was lernen die Lehrlinge in diesem Projekt?

  • Zahlen und Fakten zum Thema Obdach- und Wohnungslosigkeit
  • Ablegen von Vorurteilen und Stereotypen
  • Persönlicher Umgang mit obdach- und wohnungslosen Menschen
  • Förderung sozialer Kompetenzen
  • Projektplanung (Menüerstellung, Einkauf, Kochen, Freizeitgestaltung)
„Der Applaus für unser zubereitetes Essen hat gut getan und es war schön, ein Lächeln auf den Gesichtern der Menschen zu sehen!“
Aleksandar Ivanovic, Elektrotechniker, erfolgreich bestandene Lehrabschlussprüfung im Oktober 2019

Was waren die größten Herausforderungen?

  • Die vorab bestehenden Stereotype und diffusen Ängste der Lehrlinge sowie das Distanzgefühl gegenüber Obdach- und Wohnungslosen proaktiv anzugehen war herausfordernd.
  • Uns war es auch wichtig, das eigene Sicherheitsgefühl der Jugendlichen beim Agieren in den Einrichtungen von Obdach Wien zu stärken.
  • Der Zeitplan der Lehrlinge, der Betriebsablauf in den Einrichtungen, der Alltag der obdach- und wohnungslosen Menschen sowie die zeitlichen Ressourcen der Mitarbeiter/innen von Obdach Wien mussten aufeinander abgestimmt werden.

Was können Sie anderen Lehrbetrieben empfehlen, die ein ähnliches Projekt umsetzen möchten?

  • Wichtig ist ein Projektpartnerm, der über das notwendige Know-how verfügt
  • Gesellschaftliche Verantwortung muss von der Geschäftsführung vorgelebt werden
  • Das ganze Team muss vom Projekt überzeugt sein und den Sinn dahinter sehen
  • Einfach ausprobieren und das Projekt auf sich zukommen lassen. Wenn alle am selben Strang ziehen, sollte dem Projekt nichts im Weg stehen!

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